Putzen gegen Herzinfarkt
Vom 11. Feb, 2010 | Mundgesundheit
Die Bedeutung der Mundgesundheit für die Gesundheit wird allgemein in der Bevölkerung und leider auch von vielen Zahnärzten unterschätzt. Eine Zahnfleischentzündung kann lebensbedrohliche Folgen haben. In unserer Praxis gehört daher die Sanierung bis zur Gesundung des Zahnfleisches zu den wichtigen und notwendigen ersten Schritten vor jeder weiteren Therapie.
Was bedeutet Mundgesundheit überhaupt? Wie wichtig ist das für den Körper? Welche Auswirkungen kann eine kranke Mundhöhle haben?
Untersuchungen aus Finnland, USA und Deutschland haben ergeben, dass das Herzinfarktrisiko sich verdoppelt, das Schlaganfallrisiko sich verdreifacht und das Risiko einer Frühgeburt sich verachtfacht (!) beim Vorliegen einer banalen Zahnfleischentzündung (Parodontitis). Die Keime in einer tiefen Zahnfleischtasche (gramnegative Anerobier) können über den Blutweg an andere Stellen des Körpers gelangen und dort Schaden anrichten.
Die Zahnfleischntzündungen haben sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt!
52,7% aller Erwachsenen leiden an einer mittelschweren Parodontitis! KZBV Studie
Wie machen die das?
Die Erreger führen zu einer Aktivierung von Zytokinen (hormonähnliche Botenstoffe) die entfernt liegenden Organen Informationen geben. z.B. wird die Placenta im Mutterleib dazu angeregt, das Wachstum des Embryos zu verlangsamen und auch eine Geburt früher einzuleiten! Das führt zu untergewichtigen Neugeborenen und zu Frühgeburten.
Man kann nicht oft genug wiederholen, daß das Risiko ein untergewichtiges Kind zu gebären oder eine Frühgeburt zu erleiden bei einer Parodontitis achtfach erhöht ist!
Karies (Zahnfäule) und Parodontopathien (Zahnfleischerkrankungen, “Parodontose”) werden durch Mikroorganismen in der Plaque (Zahnbelag) hervorgerufen. Durch ein strategisches Konzept und durch enge Zusammenarbeit zwischen dem zahnärztlichen Prophylaxeteam und Ihnen können Maßnahmen ergriffen werden, um den Hauptkrankheiten des Mundes, nämlich Karies und Parodontopathien, vorzubeugen. Die folgenden Bestandteile unseres Prophylaxekonzeptes werden Ihnen hier näher erläutert.
Professionelle Zahnreinigung
- bedeutet nicht in jeder Praxis das Gleiche! Qualität läßt sich nur erleben!
Wichtiger Bestandteil der Sitzungen ist das ausführliche Gespräch. Wir gewinnen aus diesem Gespräch über z.B. Ernährungs- und Pflegegewohnheiten, Nahrungsvorlieben und Medikamentenkontrolle wichtige Hinweise für Ihre weitere Behandlung. Da im Zentrum des Krankheitsgeschehens die Plaque und die darin enthaltenen Bakterien steht, ist es von allergrößter Bedeutung, die Zahnbeläge komplett zu entfernen. Im Rahmen von Kontrollsitzungen ist es die Aufgabe einer besonders geschulten zahnärztlichen Mitarbeiterin des Prophylaxeteams, der Prophylaxeassistentin, die Plaque und den Zahnstein sorgfältig zu entfernen. Dies geschieht zum Teil mit einem Ultraschallgerät und zum Teil mit Handinstrumenten. Abschließend erfolgt die Reinigung von Zahnzwischenräumen und anderen hygienischen Problemzonen sowie die Politur und Fluoridierung der Zähne. Ergänzend kommen sanfte Therapien wie Lasertherapie oder Periochips zum Einsatz.
Laserbehandlung
In den letzten Jahren nimmt die Häufigkeit von Parodontoseerkrankungen auch schon bei jüngeren Menschen sehr stark zu. Die Belastung der Zahnfleischtaschen durch aggressive Bakterien ist schon jetzt in vielen Fällen mit mechanischer Reinigung allein nicht befriedigend therapierbar.
Aus diesem Grund kommt bei uns ein spezielles innovatives Lasersystem zum Einsatz, mit dem Keime gezielt eliminiert werden – ohne das körpereigene Gewebe zu schädigen! Die Lasertherapie ist schmerzlos, hat keine Nebenwirkungen und ist extrem effektiv.
Mundhygieneberatung
Durch ein individuelles Informationsprogramm wird Ihnen ausführlich die Entstehung von Karies und Parodontopathien und die Möglichkeiten der Vorbeugung erklärt. Dazu gehören die Techniken der Belagentfernung mit der Zahnbürste, das Training mit Zahnseide, die Instruktion zum Gebrauch von Zahnzwischenraumbürsten und sonstigen Hilfsmitteln. Außerdem erfolgt eine Aufklärung über Schmelzhärtungsmaßnahmen durch verschiedene Fluoridierungstechniken und eine Ernährungsberatung.
Lebenslange Prophylaxe
Die Prophylaxe fängt vor der Geburt an und endet im hohen Alter. Da die Bakterien, welche Karies auslösen (Streptococcus mutans), durch Intimkontakte auf den Säugling übertragen werden, führen wir schon während der Schwangerschaft eine Beratung werdender Mütter durch. Es wird ggf. durch einen Speicheltest das Übertragungsrisiko bestimmt und gegebenenfalls eine Keimzahlreduktion von Streptococcus mutans vorgenommen. Eine lebenslange Betreuung durch unser Prophylaxeteam ist ratsam, um die unterschiedlichen Anforderungen des jeweiligen Lebensalters zu reagieren. Während beim Säugling die Mundhygienemaßnahmen mit einem Wattestäbchen durchgeführt werden können, das Kleinkind mit einer Kinderzahnbürste und kreisenden Bewegungen die Zähne reinigt, der vollbezahnte Jugendliche und Erwachsene z.B. Mundhygiene nach der sogenannten Bass-Methode und mit Zahnseide betreibt, ist es bei Prothesenträgern sinnvoll, spezielle Prothesenbürsten zu verwenden. Prophylaxe ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, sondern bleibt eine lebenslange Aufgabe. Bei älteren Menschen – und immer mehr ältere Menschen können mit den heute möglichen Prophylaxemaßnahmen ihre Zähne bis ins hohe Alter erhalten – liegen oft durch Zahnfleischrückgang die Zahnwurzeloberflächen frei, welche besonders anfällig für Karies sind.
Genanalyse
Im Rahmen eines präventiven Gesamtkonzeptes führen wir eine Genmarkeranalyse durch, mit dem die Qualität der Bakterien, die an der Krankheitsentstehung beteiligt sind bestimmt werden. Die Testwerte ermöglichen es, ein gezieltes Therapie- und Betreuungskonzept zu entwickeln.
Ernährungsberatung
Der Hauptfeind der Zähne ist Zucker, und zwar sowohl in der Form von Saccharose, Glucose und Fructose. Da Zucker bewußt und unbewußt aufgenommen wird, müssen wir damit leben. “Versteckte Zucker” sind als Geschmackskorrigentien oder oft nur zur Gewichtsvermehrung in Nahrungsmitteln wie z.B. Ketchup, Joghurt und vor allem Getränke in erheblichen Mengen verbreitet. Wir müssen uns der Gefährlichkeit des Zuckers im Hinblick auf die Kariesentstehung bewußt sein und sollten unbedingt vermeiden, Zucker in kurzen Abständen zu uns zu nehmen, weil dadurch jedesmal ein ph-Abfall im Mund erfolgt. Die Säureproduktion geschieht durch die Umwandlung von Zucker in Säure durch bestimmte Bakterien der Plaque. Wenn der Säureangriff zu schnell nacheinander erfolgt, so daß die natürlichen Reparationsvorgänge im Zahnschmelz durch Demineralisation nicht mehr möglich sind, sind Zahnschäden vorprogrammiert.
Fluoridierung
Durch Einlagerung von Fluorid wird der Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen den Säureangriff der Bakterien gemacht und die Kariesgefahr vermindert. Fluoride, die überall in den oberen Schichten der Erdoberfläche vorkommen und ungiftig sind, dürfen nicht mit dem hochgiftigen und nur synthetisch herstellbaren Gas Fluor verwechselt werden, genausowenig wie Kochsalz – ein Chlorid – mit Chlor. Verschiedene Möglichkeiten zur Schmelzhärtung mit Fluoriden stehen zur Verfügung. Wir unterscheiden eine Aufnahme von Fluoriden in den Gesamtstoffwechsel über Tabletten, Speisesalz und Wasser von den lokalen Fluoridierungsmitteln wie Lösungen, Gele, Lacke und Zahncremes. Bei Kleinkindern ist eine Fluoridierung durch Tabletten empfehlenswert. Sobald lokale Möglichkeiten durch Fluoridierung bestehen und es gewährleistet ist, daß entsprechende Medikamente nicht verschluckt werden, ist auf die lokale Fluoridierung überzugehen. Da der Fluoridgehalt im deutschen Trinkwasser sehr gering ist, ist eine Kompensation durch fluoridhaltige Zahncreme und das wöchentliche Einbürsten von fluoridhaltigen Gelees als lokale häusliche Fluoridierungsmassnahme empfehlenswert.
Fissurenversiegelung
Die Zähne weisen auf der Kaufläche tiefe Gruben und Fissuren auf. Sie sind deshalb kariesgefährdet, insbesondere wenn die Zahnreinigung nicht ganz optimal ist. In bestimmten Fällen kann es notwendig werden, bei Seitenzähnen die Fissuren (Gruben) zu versiegeln, um die Kariesanfälligkeit zu verringern. Ein vorbeugender Schutz ist nur bei rechtzeitiger Versiegelung zu erwarten, also rasch nach dem Zahndurchbruch bevor Karies entstanden ist. Der Schutz vor Zahnkaries ist nicht vollkommen. Unabdingbar sind weiterhin zuckerarme Ernährung und gute Zahnpflege, ergänzt durch geeignete Fluoridierung. Der auf den Zahn aufgebrachte Kunststoff-Versiegelungslack unterliegt hohen Beanspruchungen und muss deshalb regelmässig kontrolliert und gegebenenfalls erneuert werden.
Recall
Je nach Risikograd und schwere der Erkrankung empfehlen wir individuell regelmäßige Untersuchungen und Behandlungen im Abstand von 2 – 6 Monaten.
Lebenslange Prophylaxe ist schöner als lebenslange Behandlung !
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